Zero-Gap

Seit längerem sind Arbeitgeber bei Stellenbesetzungen immer weniger bereit, Profilabweichungen in Kauf zu nehmen. Man sucht nach perfekter Passung: Zero-Gap. Was macht man nun als Bewerber/-in, wenn man sich branchenfremd bewerben will?

Strukturelles Arbeitsmarktproblem

Schon in der Statistik von 2016 von der Outplacement-Firma von Rundstedt wurde darauf hingewiesen, dass Arbeitgeber bei der Suche und Auswahl keine Profilabweichungen zum Anforderungsprofil zulassen - Zero-Gap. Man sucht nach dem 100% passenden Profil und schöpft dazu das ganze Potenzial des globalen Arbeitsmarkts aus. So entsteht ein strukturelles Arbeitsmarktproblem, bei dem gleichzeitig Fachkräftemangel und eine qualifizierte Arbeitslosigkeit herrscht. Eine Folge daraus ist, dass es Betroffene trotz nachweislichem Potenzial schwer haben, in eine neue Branche oder eine neue Funktion zu wechseln, wenn sie diese Erfahrung nicht vorweisen können. Nachdem die Branchenmobilität 2016 auf 16% (2015: 32%) gesunken ist, hat sie sich 2017 mit 21% wieder etwas erholt, liegt aber weiterhin markant unter dem Wert aus dem Jahr 2015. Auch die funktionale Mobilität liegt 2017 mit 23% zwar leicht über dem Vorjahreswert (2016: 21%) aber nach wie auf einem sehr tiefen Niveau. Die leichten Erhöhungen im 2017 sind auf spezielle Massahmen bei von Rundstedt zurückzuführen, die Betroffenen bei der Mobilität zu unterstützen.

Phänomen im Schweizer Arbeitsmarkt

Von Rundstedt kommt zum Schluss, dass Zero Gap nach wie vor ein starker Trend und ein Phänomen im Schweizer Arbeitsmarkt darstellt, das den Betroffenen Mühe bereitet. Vor dem Hintergrund der zunehmenden volkswirtschaftlichen Herausforderungen des Digitalisierungszeitalters sei dieser Trend besorgniserregend.

Besondere Herausforderung für Gekündigte

Für Menschen, die von einer Kündigung betroffen sind, stellt das «Zero Gap»-Phänomen eine besondere Herausforderung dar. Sie müssen unter Zeitdruck eine neue Stelle finden und befinden sich aufgrund der Kündigungssituation automatisch in einer schwächeren Position. Bei ausgeschriebenen Stellen im offenen Stellenmarkt verlaufen die Bewerbungsverfahren aufgrund der hohen Anzahl Bewerbungen in der Regel automatisiert. Die Vorselektion wird anhand einer Vielzahl Muss-Kriterien vorgenommen. Auch die zweite Selektionsrunde erfolgt anhand von harten Faktoren im Lebenslauf. Dabei befinden sich Stellensuchene im Wettbewerb mit hunderten anderen Bewerbern. Und nur ein kleiner Kreis vermeintlich passender Profile wird zu persönlichen Gesprächen eingeladen. Wer auf dem Papier nicht passt, hat kaum eine Chance. 

Lösung: Dynamischer Lebenslauf

Was macht man nun als Bewerber/-in, wenn man sich branchenfremd bewerben will? Kurz: Sein eigenes Profil möglichst zu 100% zu der ausgeschriebenen Stelle passend machen. Viele Bewerberinnen und Bewerber verwenden einen generischen, das heisst einen allgemeingültigen Lebenslauf, den sie jeder Bewerbung beilegen können – das spart Zeit, hat aber wenig Wirkung. Doch auch Stellenbeschreibungen sind in der Regel zu generisch, um ein klares Bild zu bekommen. Um Ihre Chancen zu erhöhen benötigen Sie einen dynamischen Lebenslauf. Dieser wird in folgenden zwei Schritten erstellt:

1. Schritt: Informationsbeschaffung

In einem ersten Schritt ist es erforderlich, dass über Kontakte zum Arbeitgeber zusätzliche Informationen, Insiderwissen und hilfreiche Details beschafft werden. Aufgrund dieser Angaben kann man in der Folge seine Bewerbungsunterlagen entsprechend anpassen und optimieren.

Bestehen keine Kontakte, kann man es auch mit einem Anruf versuchen. In den meisten Fällen werden die Kontaktdaten in den Stelleninseraten publiziert. Man überlegt sich vorher genau, welche Themen man explorieren will. Denn mit einem solchen Telefonat hinterlassen Sie gleich eine Arbeitsprobe. Dem potenziellen Arbeitgeber demonstrieren Sie Ihre sozialen Kompetenzen und signalisieren eine hohe Motivation.

2. Schritt: «Kurzprofil» und «Zielvorstellung»

Im zweiten Schritt empfehle ich, den Lebenslauf mit individualisierten Textabschnitten auszustatten. Also Texte, die speziell für das entsprechende Stellenangebot neu verfasst werden. Damit meine ich konkret je einen Abschnitt zu folgenden zwei Themen: «Kurzprofil» und «Zielvorstellung». In einem Kurzprofil fasst man seine relevanten Berufserfahrungen zusammen; perfekt auf die neue Stelle bezogen. Und in der Zielvorstellung definiert man in maximal drei Sätzen, was man von der angestrebten, zukünftigen Stelle in seinem Wunschunternehmen erwartet. Diese zwei aussagekräftigen Abschnitte Kurzprofil und Zielvorstellung wirken wie eine Art Versprechen als Blickfang oder Teaser für den 30-Sekunden-Leser.

PS Bei einem zu grossen «Gap» von Anforderungen und Profil ist eine Inserate-Bewerbung die falsche Bewerbungsstrategie. Versuchen Sie es in diesem Fall mit einer Aktiv- bzw. Spontanbewerbung.

Quellen

www.rundstedt.ch

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